Der Tudorkönig Heinrich VIII. als Komponist in unserem Frühjahrskonzert

Nach der Vertreibung der englischen Besatzungsmacht aus Frankreich (1453) bis ins beginnende 16. Jhd. hörte man nicht viel von der englischen Musik.

Aber bereits einige Zeit vor der Regentschaft von Elisabeth I. (1558 – 1603), während ihrer Zeit und der nachfolgenden, dem sogenannten elisabethanischen Zeitalter, errang die Musik der Insel zumindest in einigen Teilgebieten eine Blütezeit.

Musikanten jener Zeit hatten sich in Italien die Musik der damaligen Höfe, Fürstenhäuser und der Kirche angeeignet und auf die Insel mitgebracht. Von einzelnen Musikarten waren sie wohl sehr angetan. So haben jene Musiker und Komponisten zum Beispiel das „Balletto“ (Tanz- und Ballettmusik in den Anfängen), die Kanzonette (kleine Gesang- oder Instrumentalstücke) und vor allem das Madrigal eigenständig weiter entwickelt.

Das Madrigal war Anfang des 14. Jhd. in Italien eine von den Troubadouren übernommene volkssprachliche gesungene Dichtform. Die Madrigalisten setzten sich mit dem Sinn des Daseins auseinander – noch meist polemisch, satirisch und moralisch. Später beinhalteten die Madrigale Gesänge über idyllische Liebesdichtungen. Im 16. und 17. Jhd. waren die Madrigale schließlich ein Zeugnis für den freien Gesellschaftsgeist der Renaissance und seine feingeistige Verbindung mit literarischen Dichtungen, gerne aus der Antike. 1588 drang das Madrigal nach England vor und erlebte dort eine Blütezeit.

Wie kam es dazu? Um sich den Aufschwung der englischen Musik im 16. Jhd. zu erklären, müssen die politischen und geistesgeschichtlichen Veränderungen hinzugezogen werden: Um 1500 lässt die Wissenschaft traditionellerweise das Mittelalter enden. Äußere Fakten sind die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus (1492), die Reformation des Martin Luther (1517) und der Einfluss des Humanismus (geistige Bewegung, beginnend im 14. Jhd. die die Würde des Menschen und dessen freie Entfaltung in den Mittelpunkt stellt) u. a. durch Erasmus von Rotterdam.

Diese Ereignisse gaben dem gesamten kulturell-geistigen Leben des damaligen Europas neue Richtungen und Impulse. Die weltliche Seite sämtlicher Kunst erstarkte gegenüber der geistlichen.

In England endeten 1485 die langen Bürgerkriege und mit den Tudor kam eine Dynastie auf den Thron, die dem Land eine relative innere Stabilität bescherte. Diese Entwicklung führte England langsam zu außenpolitischer Bedeutung.

Und jetzt, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, träumen Sie sich in unser Früjahrskonzert am 7. Mai und lauschen der Ansage eines unserer Musikanten: „Liebe Musikfreunde, das nächste Stück ist etwas Besonderes, ein Musikstück, dessen Hauptmelodie aus der Feder des Tudorkönigs Henry (Heinrich) VIII. (1509 – 1547) stammen soll – sein Name: „Pastime with good Company“ (Rast in guter Gesellschaft).

Heinrich VIII., der zweite Tudorkönig, hatte eine besondere Vorliebe für Musik und andere Formen der Kunst. Durch gönnerhafte Ausgaben entwickelte sich ein besonderer Kulturbetrieb am Hofe. Dazu kamen sein Bruch mit dem Papst in den 1530er Jahren und die einhergehende Gründung der anglikanischen Staatskirche, die sich eher am reformierten christlichen Lager orientierte. Das ermöglichte größere nationale Eigenständigkeit in vielen Richtungen. Schließlich besiegte 1588 England unter der Königin Elisabeth I. (1558 – 1603) Spaniens Armada – das Tor zur Weltmacht ist geöffnet, einhergehend begann auch die weltliche Musik zu florieren.

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Die englische Musik im Mittelalter – einflussreich in Europa

Komponierte Musik auf dem Territorium des heutigen Vereinigten Königreiches lässt sich bis ins 13. Jhd. zurückverfolgen und übte einen gewissen Einfluss auf die Entwicklung der europäischen klassischen Musik aus.

Das älteste bekannte Musikwerk ist „Sumer is icumen in“ (Der Sommer ist gekommen) aus der zweiten Hälfte des 13. Jhd. Dieses Musikwerk im wahrsten Sinne des Wortes, auch als „Sommer-Kanon“ bekannt, soll das älteste Manuskript sein in der europäischen Musikgeschichte als überliefertes Beispiel der mehrstimmigen Kompositionstechnik. Es wurde kurz vor 1300 zum ersten Mal schriftlich fixiert. Besonderes daran ist, dass die Notenlinien in roter Farbe gezogen sind. Außerdem besteht das Notenliniensystem aus 6 Linien anstelle der damals bereits üblichen fünf Notenlinien. Einen Reim daraus können sich die Wissenschaftler nicht machen, weil keine vergleichbaren Handschriften mehr vorhanden sind. Die Melodie ist mit lateinischem und englischem Text versehen und bezeugt die Verbindung der geistlichen Kunstmusik (in Latein) und der Volksmusik (in Englisch). Daraus entwickelte sich in den nächsten Jahrhunderten eine englische Tradition in der mehrstimmigen Musik.

Einer der bekanntesten Komponisten Englands aus jener Zeit war John Dunstable (~1395 – 1453), der am Hof des Königs Heinrich V. diente – auf einen Namensnachfolger dieses Königs stoßen wir auch in unserem Frühjahrskonzert am 7. Mai. Mit hauptsächlich kirchenmusikalischem Schaffen komponierte Dunstable 3- bis 4-stimmige Sätze und entwickelte dabei harmonische Neuerungen, die großen Einfluss auf die Musikentwicklung in der Frührenaissance ausübten. Die verschiedenen Komponisten jener Jahrhunderte entwickelten eine Vorliebe für wiederkehrende Tonfolgen und Charakteristiken im Verhältnis der Stimmen zueinander. Diese Kompositionstechnik wurde „Faburden“ genannt. Die Faburden (Unterstimme) im 3-stimmigen Satz lag i. d. R. in Terzen (3 Tönen) unter der Mittelstimme (Mene). Die Oberstimme (Treble) verlief beständig in Quartparalellen (4 Töne) über der Mittelstimme.

Diese Mehr- oder Vielstimmigkeit heißt in der Fachsprache der Musik „Poliphonie“ und leitet sich aus dem Griechischen her. Der Begriff wird 1300 erstmals so in England genannt. Daher wird in der Fachwelt bei der Poliphonie auch von der „englischen“ Musik gesprochen.

Durch die Besetzung weiter Teile Frankreichs durch englische Truppen zwischen 1415 und 1453, hat die englische Musik ein einziges Mal, doch umso entscheidender, in die Entwicklung der kontinentalen Kunstmusik eingegriffen. Englische Improvisationstechniken und englisches Komponieren stellten entscheidende Weichen für die musikalische Renaissance und übten starken Einfluss im besetzten Gebiet aus. Gleichzeitig verzeichnete die Musik eine einmalige „Invasion“ englischer Musik in die kontinentalen Kompositionen. Zwischen 1420 und 1460 ist die Entwicklung der englischen Musik in kontinentalen Quellen besser dokumentiert als im Land selbst, weil dort veraltetes Musikrepertoire einfach vernichtet oder als Verpackungsmaterial verwendet worden war.

Ein Grund, weshalb die englische Musik sich so intensiv entwickelt hat, besteht darin, dass bereits im späten 13. Jhd. sich die Einrichtung der „Chapel Royal“ (Königliche Kapellen) bildete. Dazu gehörten Geistliche, Musiker und Sänger, die für die Durchführung der religiösen Handlungen zuständig waren, bei königlichen Festakten auftraten und mit dem Monarchen im Gefolge mitreisten. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich nach und nach ein bedeutender Chor mit Orchester am Hofe der englischen Könige.

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Was bedeutet „accelerando“?

In der letzten Freitagsprobe hat unser Dirigent, Johannes Kurz, sich ein wenig gemopst gefühlt, weil bei fast allen Musikern und Musikerinnen die Augen an den Noten geklebt und nicht den über den Noten stehende Hinweis „accelerando“ beachtet haben. „Was bedeutet ‚accelerando‘?“ rief er in seiner manchmal burschikosen Art in die Runde. – „Herausschauen!!“, war nach kurzer Pause seine selbstgegebene Antwort.

Da meinte einer der drei Prüfungsabsolventen vom Jungmusikerleitungsabzeichen (JMLA) vom vergangen Jahr: „Darf ich das in der Prüfung zum Leistungsabzeichen auch so sagen?“ – „Natürlich da nicht, sonst fällst Du deswegen vielleicht durch. Die Prüfer schauen auf die Lösungstabelle. Die checken das nicht und doch wäre es die richtige Antwort gewesen!“

Von der Vorspielprüfung im Internet vom heimischen Wohnzimmer aus, die Linus Bürkle, Benoît Krämer und Aaron Sturm im letzten Frühjahr unter Corona Bedingungen bestanden haben, hatten wir bereits berichtet. Das war der praktische Teil der Prüfung für das JMLA.

Das JMLA steht für Qualität in der musikalischen Ausbildung. Die Jungmusikerleistungsabzeichen in Bronze, Silber und Gold begleiten junge Talente von den ersten musikalischen Schritten bis hin zur solistischen Reife. Der Bund Deutscher Blasmusikverbände e. V. (BDB) hat dazu strukturierte Zielvorgaben für die Ausbildung und Prüfung aufgestellt und entwickelt sie immer weiter. Sie sollen Motivationsquelle, Ansporn und Leistungsbestätigung für den musikalischen Nachwuchs sein. Durch diese gezielte Ausbildung lässt sie Jugendliche zu Leistungsträgern in den Vereinen heranwachsen und werden. Dies können wir aus Sicht der Musikkapelle Zell-Weierbach nur ganz und gar bestätigen. Mittlerweile gibt es eine Lern-App, mit der sich die jungen Musiktalente auf die JMLA-Prüfungen selbständig vorbereiten können.

In der Musikschule Offenburg, unterstützt von der Bläserklassenausbildung im Musikverein, bekommen die Jungmusiker in 2 – 4 Jahren Unterricht fundierte  musikalische Grundfertigkeiten und ein theoretisches Basiswissen vermittelt. Die Lernfelder sind: Musiklehre, Rhythmik sowie Gehörbildung und Praxis (Vortragsstücke, Tonleiter und vom Blatt spielen). Die Prüfung wird i. d. R. im jeweiligen Blasmusikverband, bei uns im Blasmusikverband Ortenau, abgenommen. Sowohl in den Lernfeldern wie auch in der Praxis müssen die Nachwuchsmusikanten mindestens 36 von 60 Punkten erreichen, um das jeweilige Leistungsabzeichen in Bronze oder Silber zu erhalten.

Das JMLA wurde 1984 in Deutschland aus der Taufe gehoben und die Prüfung ist wohl bereits von mehr als 100.000 Nachwuchsmusiktalenten abgelegt worden.

Ja, diese zweite Prüfung haben im letzten Juli Benoît Krämer und Linus Bürkle (beide Trompete) sowie Aaron Sturm (Posaune) im Dezember erfolgreich abgelegt. In der Vorbereitung hat sie ihr Musiklehrer Bernhard Münchbach stark unterstützt. Aber die drei haben auch zuhause mittels der Lern-App viel für die Prüfung getan, wie sie stolz berichteten.

Wir wollen sie kurz vorstellen, die drei: Gemein haben sie alle drei, dass sie 13 Jahre alt sind. Benoît Krämer spielt Trompete und geht, wie auch Aaron Sturm, auf das Schillergymnasium. Benoît spielt Volleyball im Verein und gerne auch auf dem Pausenhof der Schule. Aaron hält sich, wie Linus Bürkle, mit Basketball fit und trifft sich gerne mit Freunden. Linus Bürkle besucht die Erich-Kästner-Realschule und spielt auch gerne zusammen mit seinem Vater Trompete. Die Musik, ihr gemeinsames Hobby, hat die drei zusammen geschweißt, wie wir es beobachten.

In ihrer Prüfung, berichteten uns die drei, war das flüssige Notenlesen, das Aufsagen einer Dur-Tonleiter nach eigener Wahl und nach Vorgabe wie auch das Spielen dieser Tonleitern im Prüfungsprogramm enthalten. Dazu mussten sie 2 Vortragsstücke, die sie selbst ausgewählt und geübt hatten und ein Stück vom Blatt spielen. Schwierig fanden sie die Rhythmik- und die Gehörprüfung. „Aber wir haben sie erfolgreich bestanden!“, kommentierten sie diese „Schwachstelle“ mit Stolz.

Aaron, Benoît und Linus lobten die gute Organisation der Prüfungen und auch, dass sie genug Zeit in den Prüfungen bekommen haben.

Und was noch abgefragt worden ist in der Musiklehre: Tempi- und Lautstärkenbezeichnungen. Das führt uns wieder zur Eingangsfrage zurück, was bedeutet „accelerando“? Das ist eine italienische Vortragsbezeichnung und bedeutet ‚schneller werdend‘ an der markierten Stelle. Also hat unser Dirigent doch recht: Herausschauen, damit das accelerando an der markierten Stelle auch gemeinsam überzeugend gelingt.

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„Großbritannien“ ist unser Motto beim Frühjahrskonzert 2022

Was wissen wir von der Musikwelt in Großbritannien überhaupt?

Die bekannteste englische Musik dürfte heutzutage im allgemeinen Bewusstsein in Deutschland die Musik der Beatles sein – oder fällt Ihnen spontan etwas anderes ein? Im Bereich der ernsten Musik hat sich in England kein Klassiker hervor getan wie bei uns, z. B. Ludwig van Beethoven, Josef Hayden oder Wolfang Amadeus Mozart, um nur ganz wenige der musikalischen Glanzlichter im deutschsprachigen Raum zu nennen. Bei uns bekannt sind bei Musikkennern der englischen Klassik z. B. Benjamin Britten, Henry Purcell (von dem wir auch schon Stücke gespielt haben) oder auch vielleicht Ralph Vaughan Williams.

Natürlich hat das Musik Machen auch im englischen Raum nicht erst mit der Klassik angefangen. In der Volksmusik ist als ältestes das Musikgut der Kelten enthalten, das die Barden in ihrem keltischen Kulturkreis (1000 vor Chr. und älter und auch bis Richtung Christi Geburt) verbreitet haben. Sie nutzten das fünfstufige Tonsystem (ohne die Halbtonschritte „f“ und „h“).

Seit der Christianisierung, ausgehend von Irland im 4. Jhd. n. Chr., wo der Kirchengesang besonders in den vielen irischen Klöstern gepflegt worden war, entwickelte sich neben der Kirchenmusik auch die Volksmusik dort und im englischen Gebiet.

In jedem der Teilstaaten des später Vereinigten Königreichs Großbritannien, England, Schottland, Wales und Nordirland entstand eine eigenständige Volksmusik. Die traditionelle englische Musik basiert auf Instrumenten wie der Laute, dem Hackbrett, Cembalo, Krummhorn, der Drehleier und der Schalmei. Die schottische Volksmusik ist geprägt von Dudelsäcken, Fiddles (eine Art Violine) und Harfe, die zur Begleitung von Balladen, Klageliedern (Lamentos) und bei Tänzen, wie dem Jig, verwendet wurden. Bei der walisischen Volksmusik sind die Crwth (mittelalterliche Leier mit Fingerbrett), die Harfe und die Trippelharfe typische Instrumente. Die lebendigste Volksmusiktradition weist (Nord-) Irland auf, heute noch bekannt als Irish Folk. Die Iren musizierten mit Fiddle, Tin Whistle (einfache, blecherne Schnabelflöte), Bodhrán (irische Rahmentrommel), Uilleann Pipes (irischer Dudelsack) und Akkordeon. Die Instrumente und die Volkslieder entwickelten sich natürlich von einfachen Anfängen über mehrere Jahrhunderte stetig weiter.

Die Geschichte berichtet über eine im 10. Jhd. gebaute Orgel in Winchester (Südengland) mit bereits 400 Pfeifen. Dort wurden im frühen 11. Jhd. zwei liturgische Messbücher, das sogenannte Winchester Tropar, von Mönchen geschrieben, indem Gregorianische Gesänge und zweistimmige Tonsätze aus vorhandenen losen Blättern zusammengetragen worden sind. Sie wurden im Laufe der folgenden Jahrzehnte mit weiteren Musikstücken erweitert. Diese beiden wertvollen Handschriften stellen die größte erhaltene Sammlung von Polyphonie (mehrstimmiger Gesang) des 11. Jhd. dar. Sie sind ein Muss beim Studium der angelsächsischen Musik, geben sie doch das kompositorische Können des 11. Jhd. und früher im angelsächsischen Raum preis.

Ehe wir vor Kurzem in einer Probe zum ersten Mal das weltweit bekannte und gern gesungene und gespielte englische Lied „Greensleeves“ anspielten, erzählte uns Johannes Kurz, unser Dirigent, dass dieses Lied wohl seinen Ursprung in dieser oben beschriebenen Zeit hat. Erste Aufzeichnungen dieses Liedes sind aber erst später nachweisbar.

Die Melodie von „Greensleeves“ hört sich so einfach an, aber unser Arrangement für unser Frühjahrskonzert am Samstag, den 7. Mai dieses Jahres ist für alle übenswert und bedarf noch vieler Proben, ehe es „aufführungsreif“ sein wird.

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Dank der großen Abtsberghalle können wir auf das Frühjahrskonzert proben

Seit nunmehr einem Monat lernen wir das Frühjahrskonzert 2022 kennen und sind feste dabei, die einzelnen Musikstücke einzustudieren – und das mit entsprechendem Abstand in der Abtsberghalle. Herzlichen Dank an die Ortsverwaltung für das große Entgegenkommen.

Monate im Vorfeld hat sich schon unser Dirigent, Johannes Kurz, viele Gedanken über  dieses Frühjahrskonzert 2022 gemacht. Zum einen haben wir ja für das Frühjahrskonzert 2020 bereits die meisten Musikstücke beschafft gehabt, ehe der erste große Corona Lockdown erlassen worden ist. In das letztjährige Herbstliche Frühjahrskonzert am 16. Oktober hat er zum Beispiel den Marsch „Hochheidecksburg“ übernommen. Auch im diesjährigen Frühjahrskonzert hat Johannes Kurz drei Stücke aus der Programmfolge von 2020, die zum Thema „Großbritannien“ passen, eingeflochten: den Marsch „Pomp and Circumstance No. 4“, „Lord Tullamore“ und „Don’t stop me now“ von Freddie Mercury und der britischen Rockband „Queen“.

Zum anderen hat unser Dirigent Johannes Kurz bei den Überlegungen für den Schwierigkeitsgrad der Musikstücke für das Konzertprogramm 2022 auch die nunmehr bereits fast 2 Jahre andauernde Corona Pandemie  mit ihren Lockdowns  und den damit einhergehenden Probestopps berücksichtigen müssen. Diese Zeit hat die Fingerfertigkeit, das Können, den Ansatz und auch das musikalische Gedächtnis  und Erinnerungsvermögen angekratzt. Nicht umsonst hat Johannes Kurz nach diesen verschiedenen Lockdowns immer wieder klein anfangen müssen, um alle Musikerinnen und Musiker „abzuholen“ und um sie wieder an die Zeit von vor März 2020 heranzuführen.

Bereits nach der 3. Probe für das anstehende Frühjahrskonzert 2022 stellte Johannes Kurz mit sichtlicher Freude fest: „Ich höre bereits wieder Anklänge an die früheren Zeiten – danke liebe Musikerinnen und Musiker!“ Es bewahrheitet sich also wieder, dass das Erlernte im Gehirn vielleicht etwas „abseits gerutscht“ ist, aber sobald Fragen an das Gehirn gesendet werden, ist das Können wieder schnell parat und kommt wieder auf die „Prioritätenliste“. Die Abwandlung der Volksweisheit zu „Was Hänschen lernt, verlernt Hans nimmer mehr!“ gilt auch für uns Musikerinnen und Musiker.

Mit seinem Können und im Studiengang „Dirigent“ erarbeiteten und erfahrenen Wissen gelingt es Johannes Kurz, unsere Gehirnwindungen wieder zu aktivieren, die Aufmerksamkeit zu wecken und uns zu motivieren. Uns macht es wieder toll Spaß, das gemeinsame Musizieren und das beisammen Sein.

Wir freuen uns auch auf unsere Musikfreunde, die immer wieder gerne bei uns sind und auf das Konzert hin mitproben, um ebenfalls aus Spaß an der Musik zum Gelingen unseres Frühjahrskonzerts 2022 beizutragen.

Lassen Sie sich überraschen, welchen schönen Melodienstrauß unsere Musikkapelle Zell-Weierbach mit Johannes Kurz am Dirigentenpult am Samstag, den 7. Mai, Ihnen am Vortag zum Muttertag von der Bühne der Abtsberghalle aus „überreichen“ will.

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Auch von Albert Beathalter mussten wir Abschied nehmen

Eigentlich hatte der Vorstand am 27. Januar, also letzte Woche, zur Jahreshauptversammlung rufen wollen, aber die Corona Vorgaben sind so streng, dass die Verlegung sinnvoll erschien. Wir haben nun die Jahreshauptversammlung für das Vereinsjahr 2021 auf Donnerstag, den 31. März festgelegt, Beginn 19.30 Uhr. Die Abtsberghalle haben wir dafür bereits reserviert. Wir bitten alle Mitglieder und Musikfreunde um Beachtung und Teilnahme.

Von einem weiteren ehemaligen Musiker aus unseren Reihen trauern wir. Es ist Albert Beathalter aus Langhurst, der 14 Jahre von 1977 bis 1990 in unserer Trachtenkapelle Zell-Weierbach neben Adelbert Anselment und Walter Ritter (beide ebenfalls verstorben) die Tuba spielte.

Albert Beathalter, Jahrgang 1930, wuchs in Langhurst auf und blieb dort sein ganzes Leben lang gerne verwurzelt. Gleich nach dem Krieg erlernte er im Musikverein Langhurst das Flügelhorn und wechselte später auf die Tuba. Auch an seiner Arbeitsstätte, dem Ausbesserungswerk der DB in Offenburg bekam man Kenntnis von seinem musikalischen Können und gewann ihn für die AW-Werkskapelle, in der er von 1970 bis 1990, selbst nach der Berentung, aktiv mitwirkte.

Sicherlich auch wegen Walter Ritter, der ebenfalls dort und bei uns die Tuba spielte und wohl viel über die Zeller Musik zu erzählen wusste, wechselte Albert Beathalter im Jahre 1977 von Langhurst nach Zell-Weierbach. Er und seine Frau Irmgard fühlten sich aufgehoben und wohl bei uns und engagierten sich aktiv auch bei unseren Festen.

Es waren bewegte Musikjahre der Trachtenkapelle Zell-Weierbach unter Georg Weyerer, Alois Geiler, Ferenc Ascody und 10 Jahre unter Rudi Flierl als Dirigenten, in denen Albert Beathalter seinen Mann in der Trachtenkapelle stand. Albert und seine Frau Irmgard liebten aber gerne auch das Gesellige im Musikverein Zell-Weierbach, die legendären Kameradschaftsabende und Musikerausflüge. Einer bleibt den älteren Musikern sicherlich im Gedächtnis, der von Josef Acker organisierte Musikerausflug nach Schonach im Sommer 1989, wo wir auf der Hauswiese eines Bauernhofes einen unterhaltsamen Familiennachmittag erlebten. Mit dabei im Programm war das Joghurtfütterspiel, wo zwei verdeckte Gestalten hinter den beiden Bassisten Albert Beathalter und Walter Ritter saßen und die beiden mit Joghurt füttern mussten. Dass da der eine oder andere Löffel voll nicht im Mund landete, können Sie sich bestimmt illustriert vorstellen.

Gerne denken wir auch an den 1. Mai 1992, an dem die Musikerfamilien eine Radtour veranstalteten mit einem Boxenstopp auf dem Anwesen von Albert Beathalter, dem großen geselligen Finale. Lustig, fidel und feucht ging‘s zu – aber Erinnerns Wert.

Albert war auch einer, der als Musikerrentner es nicht sein lassen konnte. Noch viele Jahre spielte er mit großem Spaß bei den „Fidelen Oldies“ mit.

Dass Albert und Irmgard Beathalter sich unserem Musikverein sehr verbunden fühlten, zeigte auch, als beide, Albert bereits 88 jährig, unser 49. Jahreskonzert im Jahre 2018 mit Freude und Begeisterung besuchten.

Am 19. Dezember 2021 endete der Lebensweg von Albert Beathalter. Der Musikverein Zell-Weierbach gestaltete am 10. Januar 2022 in der Langhurster Kirche das Seelenamt für ihn musikalisch mit. Alle seine Lieben gedachten ihm und seine Frau Irmgard war von dieser Ehrerbietung sehr gerührt.

Am 11. Februar ist das Seelenamt von unserem Musikkameraden Alois Geiler in der Weingartenkirche um 18.30 Uhr. Auch hier wollen wir Alois Geiler musikalisch nochmals die Ehre erbieten.

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Wir sind dankbar für alles, was Alois Geiler für uns getan hat

Dass Alois Geiler mit Ende 1983 in der Vereinsverwaltung des Musikvereins Zell-Weierbach kürzer treten wollte, ist ihm nicht zu verdenken. Gerade die Tanz Band „Fidele Ortenauer“ strebte in diesen Jahren dem Höhepunkt mit 51 Auftritten im Jahre 1985 entgegen. Dazu kamen auch die zugehörigen Proben und die Vorbereitung der Tanzmusikstücke an den eigenen Instrumenten, bei Alois auch noch das Management der „Fidelen Ortenauer“. Nicht nur das, auch die vielen Auftritte und Proben unter Dirigent Rudi Flierl bei der Trachtenkapelle Zell-Weierbach beanspruchten Zeit. 1986 waren die „Fidelen Ortenauer“ auch noch auf Tournee durch Australien und traten in Igea Marina, Italien, auf. Beruflich ist Alois Geiler auch aufgestiegen und hat mittlerweile Personalverantwortung übernommen, was ihm viel Freude bereitete, denn sein Lebensmotto, für andere da zu sein, konnte er gerade beim Personal der Telefonvermittlung beim Fernmeldeamt Offenburg unter Beweis stellen.

Alois Geiler ist mittlerweile auch unter die Komponisten gegangen, arrangiert hatte er bereits für die „Fidelen Ortenauer“. Er schuf unter anderem den „Siola-Marsch“ (‚Alois‘ spiegelverkehrt), die „Abtsbergpolka“ und den Walzer „Im Weierbächle“. Rudi Flierl arrangierte diese Stücke für die Trachtenkapelle Zell-Weierbach und oft standen diese auf dem Programm und ertönten auch bei Ständchen.

Im Musikverein Zell-Weierbach wird „unser“ Alois 1984 zum Vizedirigenten ernannt und im gleichen Jahr tritt er auch die Stelle des Dirigenten beim Musikverein Önsbach an. Mehrere Jahre schwingt er dort den Taktstock. 1990 wird er der sehr beliebte und verehrte Dirigent der Stadtkapelle Renchen, wo er beim Abschlusskonzert am Dreikönigstag  des Jahres 2000 zum Ehrendirigenten ernannt worden ist.

Und noch einmal macht sich Alois Geiler um den Musikverein Zell-Weierbach verdient, indem er von 1992 bis 1997 nochmals den Vorsitz übernommen hat. 2003 ging Alois gesundheitshalber in den wirklich verdienten Musikerruhestand bei der Musikkapelle Zell-Weierbach.

Aber lassen konnte er das Musikmachen nicht. Die „Fidelen Oldies“ gewannen ihn als Dirigenten und auch dort hat er bei den Musikanten viel Gutes bewirkt. Ebenfalls brachte er sein Können als Klarinettist und Saxofonist in anderen Ensembles gerne ein. Immer wieder durften bei besonderen verwandtschaftlichen Anlässen und aus Freundschaft die Kirchenbesucher ‚seinem‘ „Ave Maria“ von Bach-Gounod, oftmals von Ludwig May an der Orgel begleitet, in Ehrfurcht lauschen.

Alois Geiler, durch seine Mutter im Glauben tief verwurzelt, sah es als Lob Gottes an, wenn er in der Trachtenkapelle oder als Dirigent der verschiedenen Musikkapellen während der Prozession feierliche Märsche und Kirchenlieder ertönen ließ und auch aus kirchlichen Anlässen Platzkonzerte gab.

Neben diesen allseits bekannten Engagements in Sache Musik für Zell-Weierbach und weit darüber hinaus, bildete Alois auch viele Jugendliche für den Musikverein an der Klarinette aus.

Der Bund Deutscher Blasmusik hat Alois für  dieses riesengroße Engagement für die Blasmusik mit vielen Ehrennadeln bis hin zur Großen Goldenen Ehrennadel für 50 Jahre aktiver Musiker geehrt.

Es hätte ein Buch geben können, der Lebenslauf von Alois Geiler mit seinen vielen Facetten, Erlebnissen und guten Taten, von denen hier nur ein kleiner Einblick gegeben werden konnte. Ganz besonders würde er darin, so seine Frau Rosalinde, die legendären Auftritte mit dem Spitzendirigenten Kurt Sauter beschreiben. Dieser ist unvergessen und hat die Musikkapelle zu großem Erfolg gebracht.

Alois wird in unseren Reihen noch lange nicht vergessen sein. Immer wieder werden Erinnerungen über schöne Erlebnisse an ihn wach und erzählt werden.

Der Musikverein Zell-Weierbach und seine aktiven Musikerinnen und Musiker wie auch die Musikerrentner sind Alois sehr dankbar, dass er so war wie er war und wie er richtige Kameradschaft gelebt hat. Unser aller Dank gilt auch Rosalinde und den Kindern Carmen und Daniel, die oftmals wegen der „Musik“ ihn haben losgeben müssen.

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Alois Geiler war ein Vorbild in der Übernahme von Verantwortung

In den 1950-er Jahren war es nichts ungewöhnliches, nicht nur in der ‚eigenen‘, sondern auch in weiteren Musikkapellen mitzuspielen, weil damals Musikanten noch knapp waren. Auf Bitten von Arthur Weigel, der sowohl in Zell-Weierbach wie auch in Fessenbach langjähriger Dirigent war, spielte Alois Geiler von 1852 bis 1956 auch im Musikverein Fessenbach die Klarinette. Da war er aber nicht die Ausnahme, wir profitierten mit z. B. Walter Ritter und Albert Sälinger auch von anderen Musikvereinen. Ebenso ist Alois Geiler auch auf Fotos in der Postmusikeruniform zu sehen.

21 Jahre am Stück wurden es, als Alois Geiler 1963 zusagte, als Beisitzer in den Verwaltungsrat des Musikvereins Zell-Weierbach einzutreten. Zwei Jahre zuvor hatte er „seine“ Rosalinde geheiratet mit der Vision, recht bald im eigenen Heim zu wohnen.

In den 5 Jahren als Beisitzer hatte „unser“ Alois sich einen guten Einblick in das Vorstandsgeschäft verschafft, manches mitgetragen, neue Ideen eingebracht und im Musikverein auch seine Arbeitskraft eingesetzt, um dem Verein bei Festen u. a. zu dienen.

1968, am 17. Juni 1967 hat Kurt Sauter den Dirigentenstab vom legendären Arthur Weigel übernommen und eine neue, damals unvorstellbare neue musikalische Epoche im Zeller Musikverein angestoßen, war es Alois Geiler, der das Ehrenamt des 2. Vorsitzenden und des Musikervorstandes übernahm. Das war wahrlich kein leichtes Unterfangen, denn Kurt Sauter mischte die Blasmusik von Grund auf auf und ließ mit seiner moderneren Art, Musik zu spielen, alle Blasorchester der Umgebung aufhorchen. Diesen musikalischen Umschwung von mehr oder weniger ernster Musik hin zur Unterhaltungsmusik (U-Musik hieß dies im Fachjargon) bei Frühschoppen oder Unterhaltungskonzerten begleiteten mit viel Schwung und Engagement der damals 1. Vorsitzende, Franz Falk, und Alois Geiler ein Jahr lang zusammen. Dann übernahm Max Härtenstein, ein Freund der sauterschen Blasmusik und Geschäftsführer der WG Zell-Weierbach, das Ruder als Vorsitzender bis 1978. Langweilig ist es diesen beiden in dieser Zeit bestimmt nicht geworden, denkt man an die gern besuchten Osterkonzerte, Feste und die jährlich zahllosen auswärtigen Auftritte und das nicht nur in unserer näheren Umgebung. Da steckte bei beiden Organisationstalent und Stehvermögen dahinter und großes gegenseitiges Vertrauen, um dies alles überhaupt wuppen zu können. Daneben musizierten Alois Geiler, Josef Acker und Hansjörg Stürzel, zusammen mit Kurt Sauter immer wieder bei den damals weit bekannten „Schwarzwaldmusikanten“ unter Leitung von Rolf Schneebiegl.

1974 übernahm Josef Acker das Amt des 2. Vorsitzenden und Alois Geiler wechselte für 6 Jahre wieder in den Verwaltungsrat des Vereins, weil er sich wieder der geliebten Tanzmusik – und jetzt mit den Fidelen Ortenauern – widmen wollte.

Aber nicht nur das: Alois Geiler besuchte neben allem auch noch die Dirigentenschmiede in Trossingen und erwarb dort den Dirigentenschein Anfang 1970, sein nunmehr drittes musikalisches Standbein. Er wird 1971 vom Musikverein Altenheim für seine große Trachtenkapelle als Dirigent verpflichtet, eine unvergessene, herzliche Zeit für das Ehepaar Geiler. Im Jahre 1980 beendete er dieses aufwändige aber geliebte Engagement, weil einfach diese Terminvielfalt, insbesondere auch wegen Terminüberschneidungen in seinen verschiedenen Engagements, zu stressig geworden ist. Denn als Dirigent Georg Weyerer von der Trachtenkapelle Zell-Weierbach auf das Jahresende 1978 kündigte, fand sich so schnell kein adäquater Ersatz. Und wer sprang für fast ein Jahr als Dirigent ein? – Richtig, unser Alois. Ihm folgte im November 1979 Ferenc Ascody für nicht einmal ein Jahr.

In der Generalversammlung im Januar 1980 übernahm Alois Geiler wieder das Amt des 2. Vorsitzenden. Zusammen mit dem Vorsitzenden Ernst Kessler stand 1980 wieder eine Dirigentensuche an. Dieses Mal war Fortuna mit im Spiel, denn mit Rudi Flierl fand sich ein Dirigent, der von 1980 bis 2000 die Trachtenkapelle Zell-Weierbach erfolgreich leitete.

Leider gab Ernst Kessler nach zwei Jahren bereits zur Generalversammlung 1981 den Vorsitz zurück und auf die Schnelle war kein Ersatz zu finden. Und wieder war es unser Alois, der in die Bresche sprang und für 3 Jahre den Vorsitz übernahm, ehe Robert Wacker den Verein erfolgreich weiterführte.

Auch die Fidelen Ortenauer sind mittlerweile bekannter geworden und hatten viele Auftritte, die Alois zudem als Organisator managte. 1977 stand die Tanzkapelle bereits 33 Mal auf der Bühne, dabei waren auch die erste USA-Tournee und die erste Schallplattenaufnahmen. 1978 folgte die zweite USA- und Canada-Tournee. Die Auftritte steigerten sich bis 1983 auf 48, darunter auch im Ferienparadies Igea Marina am Adriatischen Meer.

Neben all den vielen Terminen hat sich Alois in der ganzen Zeit auch immer wieder die Zeit genommen, für seine Musikkameraden seine Auffassung von Kameradschaftsgeist im Tun und Geben zu zeigen. Gerne hatte er ab und an zur späten (oder frühen?)Stunde die Musiker noch zu sich eingeladen, um gemeinsam die würzige Schwarzwurst und den rauchig riechenden Speck vom „Röhrli“ – feinst geschnitten vom Gastgeber, zusammen mit „Burebrot“ vom „See-Beck“, zu verkosten. Dabei ist  auch manch ein gutes Tröpfchen und Bier unter die Räder gekommen – schöne Erinnerungen der Älteren der Musiker.

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Ein Leben voller Musik ging zu Ende

Unser sehr wertgeschätzter, lieber Musikkamerad, Alois Geiler, ist in der Nacht zu Heilig Abend im Frieden gestorben. Wir Musiker und alle die ihn kannten, wollten oder konnten es zunächst nicht fassen. Denn wer Alois Geiler kannte, begrüßte ihn und seine Frau Rosalinde bei unserem Herbstlichen Frühjahrskonzert am 16. Oktober letzten Jahres mit Bewunderung und Wohlwollen. Nicht nur Alois selbst, nein auch wir freuten uns darüber und Alois zeigte schon Vorfreude auf unser nächstes Frühjahrskonzert, das für den 7. Mai dieses Jahres immer noch fest eingeplant ist.

Alois Geiler ist Jahrgang 1938 und stammt aus der Abtsgasse unweit des Abtshofes. Seine ersten 7 Lebensjahre bis zum Ende des 2. Weltkrieges und die Jahre danach waren für ihn und seine Brüder sicherlich kein Honigschlecken und das prägte. „Ohne Fleiß kein Preis“ könnte aus diesen Kindheitserfahrungen heraus zum Lebensmotto von Alois und vielen anderen Kindern dieser Zeit herangereift sein.

Dem Beispiel seines älteren Bruders Wilhelm folgend, zog es auch Alois zu der Musik und dem Zell-Weierbacher Musikverein. Sein Eintritt in den Musikverein ist mit dem 1.1.1948 datiert. Wie es damals und Jahrzehnte weiter üblich war, war dies das Jahr des Eintritts in die Musikkapelle. Die Zeit der Ausbildung am Instrument, die im Verein erfolgte, lag in den Händen von Dirigent Arthur Weigel und wurde nicht in die Vereinsjahre eingerechnet. Die „Neuen“ hatten zunächst erst einmal ein halbes Jahr Unterricht in Musiktheorie ehe sie nach und nach Instrumente von anderen Musikern, die aufhörten, übernehmen durften. In der Vereinskasse war so kurz nach dem Krieg „gähnende Leere“ und kein Geld für den Kauf von Instrumenten vorhanden, erzählt Helmut Kopf, der dem gleichen Jahrgang wie Alois angehört.

Das Gute in dieser Zeit war für diese Jungmusiker, dass immer einige Schulkameraden mit dabei waren und somit immer auch „etwas los war“ neben dem Musizieren. Ein Trio aus diesem Jahrgang, nämlich Alois Geiler, Helmut Kopf und Erich Schley, zu dem sich später auch Gustl Litterst hinzugesellte, ist bis zum Musikerrentnerdasein dem Verein und der Musikkapelle treu geblieben. Sie waren zuverlässige Stützpfeiler der Musikkapelle und im Verein.

Die vom Krieg heimgekehrten wenigen Zeller Musiker trafen sich zunächst inoffiziell unter dem Dirigenten Arthur Weigel zu Musikproben, denn erst im Jahre 1949 war es unter der damaligen französischen Besatzungsmacht wieder erlaubt worden, Vereine zu reaktivieren.

In dessen Folge wurde 1949 der Musikverein Zell-Weierbach nach der erzwungenen Kriegspause wieder neugegründet. Neben dem Musikmachen war damals jeder auch als stützende Hand im Musikverein gebraucht worden. Beispielhaft zeigt dies der vereinsbezogene Lebenslauf von unserem Alois. Mit 14 Jahren (1952) wurde er für 4 Jahre zum Vereinsdiener beauftragt, wie es im Mitgliedsregister des Vereins zu lesen ist. Manch eine Episode aus diese Zeit war immer wieder Mittelpunkt von Erzählungen, preisgegeben nach Musikproben, egal ob von Alois, Gustav, Helmut, Wilfried oder anderen. Die Vereinsdiener mussten den Mitgliedsbeitrag von 1 Mark vierteljährlich an der Haustüre einziehen und waren überglücklich, wenn sie noch etwas Trinkgeld dazu bekamen. Eine ganz wichtige Aufgabe war es, jeden einzelnen Musiker mit neuen Informationen über Auftritte, Proben, Ständchen usw. zu versorgen aber auch den Vorstand, die Verwaltungsratsmitglieder oder die Fahnenträgergruppe zu informieren und Einladungen zu verteilen. Es gab ja damals kaum ein Telefon. Wehe, die Aufgabe wurde nicht zuverlässigst verrichtet – dann wurde der Jungmusiker so richtig „in den Senkel gestellt“, wie Alois und Gustav als gerne erzählten.

Mittlerweile hat Alois Geiler wie auch Helmut Kopf und weitere Musiker ihr musikalisches Können wesentlich erweitert und verfeinert. Bei Alois kam das Tenorsaxophon als zweites musikalisches Standbein hinzu. Alois Geiler und sein Musikerkumpel Helmut Kopf fuhren deswegen eigens nach Villingen, um dort ein Tenorsaxophon und eine Trompete zu erstehen.

In der Musikkapelle noch verpönt, war das Saxophon in der Tanzmusik, wie es die Amerikaner in Deutschland vormachten, nicht mehr wegzudenken. Und die Tanzmusik hatte Alois schon einige Zeit im Visier. Etwa 1955, mit 17 Jahren, war er dann schon einer von 3 Tenorsaxophonisten der legendären Tanzkapelle „Silbersterne“, bei denen ursprünglich noch zwei Akkordeonisten und ein Schlagzeuger mitspielten. Alle Musiker der „Silbersterne“ waren Postler des Postamtes Offenburg. 1958 ersetzte dann Helmut Kopf mit seiner Trompete einen Akkordeonplatz in der Band ab, weil die „Silbersterne“ dann noch besser moderne Musik spielen konnten. Bereits zu jener Zeit spielte Gustl Litterst dort als Schlagzeuger in der Band mit. „Wir haben“, berichtet Helmut Kopf, „bald jede Woche im Gasthaus „Riedle“ am Samstag von 20 bis 2 Uhr zum Tanz und am Sonntag von 16 bis 19.30 Uhr zum Vesper für die Wandersleute, die im „Riedle“ vesperten, und dann von 20 Uhr bis Mitternacht wieder zum Tanz aufgespielt. Wir bekamen dafür 4 Mark für die Stunde. Das alles lief bis 1963 unter dem Weber-Wirt. Auch die Tanzschule Walz in Offenburg engagierte uns damals zu allen Abschlussbällen, egal ob in Offenburg, Kehl, Oberkirch oder sonst wo.“

Verständlich, dass Alois Geiler in dieser Zeit sich nur noch dem Musikmachen bei den „Silbersternen“ und im Musikverein widmen konnte. Im vereinsbezogenen Lebenslauf über seine Ehrenämter geht es 1963 bei Alois Geiler weiter. Alois wird Beisitzer im Verwaltungsrat des Musikvereins und es werden noch viele Ehrenämter im Musikverein Zell-Weierbach folgen.

Ihr Musikverein Zell-Weierbach

Noch einige Informationen aus unserer letzten Jahreshauptversammlung

In der eigentlich für Januar 2021 geplanten Jahreshauptversammlung für 2020, die am 30. September durchgeführt worden war, standen keine Vorstandswahlen an. Turnusmäßig waren die Wahlen zum Block B der Beisitzer durchzuführen.

Bei Kristina Busam, die aus persönlichen Gründen nach mehr als 10 Jahren im Verwaltungsgremium des Musikvereins Zell-Weierbach nicht mehr antrat, bedankte sich Herbert Lenz, unser Vorsitzender, ganz herzlich und übergab ihr später ein Geschenk. Kristina Busam brachte ihre Außensicht auf den Musikverein Zell-Weierbach und ihre Erfahrung im Vorstand des Kirchenchors Weingarten – Herz-Jesu ein. Wir freuen uns sehr, dass sie auch weiterhin uns als Helferin gerne unterstützt.

Die weiteren bisher im Block B eingereihten Beisitzer, Hermann Siefert, der als 3. Vorstand fungiert, ist bereits 16 Jahre, Friedrich Broß, ist bereits 20 Jahre und Katrin Schröder ist seit einem Jahr in unserem Verwaltungsgremium. Herbert Lenz bedankte sich bei ihnen ebenfalls für ihre besondere Unterstützung des Musikvereins Zell-Weierbach und freute sich über ihre Bereitschaft, für weitere 4 Jahre den Musikverein zu unterstützen. Trotz vieler Gespräche hat sich niemand finden lassen, der oder die die Nachfolge von Kristina Busam wahrnehmen wollte. Schade. Die Wiederwahl fand en block statt und alle nahmen die Beauftragung durch die Versammlungsteilnehmer an.

Zu Kassenprüfern, die jährlich beauftragt werden, sind Kathleen Königer und Thorsten Litterst wiedergewählt worden. Auch sie waren ausdrücklich bereit, wie sie wegen entschuldigter Abwesenheit schriftlich bekundeten, diese Aufgabe weiter zu führen. Nach den Wahldurchgängen gratulierte Herbert Lenz allen Gewählten und bekundete, dass er sich auf eine gute Zusammenarbeit freue.

Und was ist ein Verein ohne langjährig unterstützende Vereinsmitglieder? Dieses Mal ist Martin Litterst, unser ehemaliger Trompeter, der mittlerweile in Karlsruhe wohnt, für 25 Jahre sowie Klaus Busam und Bernd Zimper für mehr als 40 Vereinsmitgliedsjahre geehrt worden. Die letzteren sind gleichzeitig auch zu Ehrenmitgliedern ernannt worden, da sie bereits 75 Lenze zählen. Auch ihnen allen dankte Herbert Lenz und übergab ihnen gute Zeller Tropfen.

Zu einem Verein gehört auch eine gute Kassenführung und die hat unsere Kassiererin Anne Duffner inne. Zu Beginn ihres Berichts erzählte sie, dass man meinen müsse, in Corona Zeiten dreht sich das Rad langsamer und es gibt im Kassenbereich viel weniger zu tun. Aber dem ist nicht so. Es war fast der gleiche Arbeitsumfang wie in „normalen“ Zeiten, weil zwar das Frühjahrskonzert und das Weinfest rund ums Rathaus ausfielen, dennoch dafür Kosten angefallen waren und das Sonntagskonzert der Premieren zusätzlich stattgefunden hatte. Die Abrechnung mit der Musikschule und den Musikschülern war wegen Corona eher umständlicher und aufwändiger.

Anne Duffner berichtete von 47.519 € Einnahmen, darunter 9.500 € aus Rücklagen des Musikvereins aus besseren Jahren. Die Ausgaben beliefen sich im Vereinsjahr 2020 auf 47.002 €. Aus der Gegenüberstellung der reinen Einnahmen und Ausgaben ergibt sich ein Verlust von knapp 9.000 €. Die Kassiererin führte in ihrem Rechenschaftsbericht aus, dass der Entnahme aus den Rücklagen auch neue Werte gegenüber stehen, nämlich z. B. ein neues Fagott, das Simone Blattner bläst und den Klang des Orchesters erweitern wird, 2 Querflöten für Musikschülerinnen und eine neue Lautsprecheranlage, weil unsere alte Anlage aus den 1970-er Jahren nicht mehr den elektrotechnischen Schutzvorgaben gerecht wurde. Somit kann man feststellen, dass die laufenden Ausgaben durch die laufenden Einnahmen beinahe vollständig gedeckt waren.

Die Vereinskasse taten besonders die Zuschüsse der Stadt Offenburg über 2.820 € und vom Blasmusikverband über 2.048 € – hauptsächlich zur Unterstützung der fixen Musikvereinsausgaben in Corona Zeiten, gut. Herbert Lenz freut es besonders, dass Spender unseren Musikverein mit 3.889 € im Jahre 2020 unterstützten. Das war viel Wert.

Einer Entlastung der Kassiererin und der Vorstandschaft insgesamt stand nun nichts mehr im Wege.

Herbert Lenz zollte Anne Duffner einen großen Dank für ihre mit Engagement geführte Vereinskasse.

Ihr Musikverein Zell-Weierbach