Alois Geiler war ein Vorbild in der Übernahme von Verantwortung

In den 1950-er Jahren war es nichts ungewöhnliches, nicht nur in der ‚eigenen‘, sondern auch in weiteren Musikkapellen mitzuspielen, weil damals Musikanten noch knapp waren. Auf Bitten von Arthur Weigel, der sowohl in Zell-Weierbach wie auch in Fessenbach langjähriger Dirigent war, spielte Alois Geiler von 1852 bis 1956 auch im Musikverein Fessenbach die Klarinette. Da war er aber nicht die Ausnahme, wir profitierten mit z. B. Walter Ritter und Albert Sälinger auch von anderen Musikvereinen. Ebenso ist Alois Geiler auch auf Fotos in der Postmusikeruniform zu sehen.

21 Jahre am Stück wurden es, als Alois Geiler 1963 zusagte, als Beisitzer in den Verwaltungsrat des Musikvereins Zell-Weierbach einzutreten. Zwei Jahre zuvor hatte er „seine“ Rosalinde geheiratet mit der Vision, recht bald im eigenen Heim zu wohnen.

In den 5 Jahren als Beisitzer hatte „unser“ Alois sich einen guten Einblick in das Vorstandsgeschäft verschafft, manches mitgetragen, neue Ideen eingebracht und im Musikverein auch seine Arbeitskraft eingesetzt, um dem Verein bei Festen u. a. zu dienen.

1968, am 17. Juni 1967 hat Kurt Sauter den Dirigentenstab vom legendären Arthur Weigel übernommen und eine neue, damals unvorstellbare neue musikalische Epoche im Zeller Musikverein angestoßen, war es Alois Geiler, der das Ehrenamt des 2. Vorsitzenden und des Musikervorstandes übernahm. Das war wahrlich kein leichtes Unterfangen, denn Kurt Sauter mischte die Blasmusik von Grund auf auf und ließ mit seiner moderneren Art, Musik zu spielen, alle Blasorchester der Umgebung aufhorchen. Diesen musikalischen Umschwung von mehr oder weniger ernster Musik hin zur Unterhaltungsmusik (U-Musik hieß dies im Fachjargon) bei Frühschoppen oder Unterhaltungskonzerten begleiteten mit viel Schwung und Engagement der damals 1. Vorsitzende, Franz Falk, und Alois Geiler ein Jahr lang zusammen. Dann übernahm Max Härtenstein, ein Freund der sauterschen Blasmusik und Geschäftsführer der WG Zell-Weierbach, das Ruder als Vorsitzender bis 1978. Langweilig ist es diesen beiden in dieser Zeit bestimmt nicht geworden, denkt man an die gern besuchten Osterkonzerte, Feste und die jährlich zahllosen auswärtigen Auftritte und das nicht nur in unserer näheren Umgebung. Da steckte bei beiden Organisationstalent und Stehvermögen dahinter und großes gegenseitiges Vertrauen, um dies alles überhaupt wuppen zu können. Daneben musizierten Alois Geiler, Josef Acker und Hansjörg Stürzel, zusammen mit Kurt Sauter immer wieder bei den damals weit bekannten „Schwarzwaldmusikanten“ unter Leitung von Rolf Schneebiegl.

1974 übernahm Josef Acker das Amt des 2. Vorsitzenden und Alois Geiler wechselte für 6 Jahre wieder in den Verwaltungsrat des Vereins, weil er sich wieder der geliebten Tanzmusik – und jetzt mit den Fidelen Ortenauern – widmen wollte.

Aber nicht nur das: Alois Geiler besuchte neben allem auch noch die Dirigentenschmiede in Trossingen und erwarb dort den Dirigentenschein Anfang 1970, sein nunmehr drittes musikalisches Standbein. Er wird 1971 vom Musikverein Altenheim für seine große Trachtenkapelle als Dirigent verpflichtet, eine unvergessene, herzliche Zeit für das Ehepaar Geiler. Im Jahre 1980 beendete er dieses aufwändige aber geliebte Engagement, weil einfach diese Terminvielfalt, insbesondere auch wegen Terminüberschneidungen in seinen verschiedenen Engagements, zu stressig geworden ist. Denn als Dirigent Georg Weyerer von der Trachtenkapelle Zell-Weierbach auf das Jahresende 1978 kündigte, fand sich so schnell kein adäquater Ersatz. Und wer sprang für fast ein Jahr als Dirigent ein? – Richtig, unser Alois. Ihm folgte im November 1979 Ferenc Ascody für nicht einmal ein Jahr.

In der Generalversammlung im Januar 1980 übernahm Alois Geiler wieder das Amt des 2. Vorsitzenden. Zusammen mit dem Vorsitzenden Ernst Kessler stand 1980 wieder eine Dirigentensuche an. Dieses Mal war Fortuna mit im Spiel, denn mit Rudi Flierl fand sich ein Dirigent, der von 1980 bis 2000 die Trachtenkapelle Zell-Weierbach erfolgreich leitete.

Leider gab Ernst Kessler nach zwei Jahren bereits zur Generalversammlung 1981 den Vorsitz zurück und auf die Schnelle war kein Ersatz zu finden. Und wieder war es unser Alois, der in die Bresche sprang und für 3 Jahre den Vorsitz übernahm, ehe Robert Wacker den Verein erfolgreich weiterführte.

Auch die Fidelen Ortenauer sind mittlerweile bekannter geworden und hatten viele Auftritte, die Alois zudem als Organisator managte. 1977 stand die Tanzkapelle bereits 33 Mal auf der Bühne, dabei waren auch die erste USA-Tournee und die erste Schallplattenaufnahmen. 1978 folgte die zweite USA- und Canada-Tournee. Die Auftritte steigerten sich bis 1983 auf 48, darunter auch im Ferienparadies Igea Marina am Adriatischen Meer.

Neben all den vielen Terminen hat sich Alois in der ganzen Zeit auch immer wieder die Zeit genommen, für seine Musikkameraden seine Auffassung von Kameradschaftsgeist im Tun und Geben zu zeigen. Gerne hatte er ab und an zur späten (oder frühen?)Stunde die Musiker noch zu sich eingeladen, um gemeinsam die würzige Schwarzwurst und den rauchig riechenden Speck vom „Röhrli“ – feinst geschnitten vom Gastgeber, zusammen mit „Burebrot“ vom „See-Beck“, zu verkosten. Dabei ist  auch manch ein gutes Tröpfchen und Bier unter die Räder gekommen – schöne Erinnerungen der Älteren der Musiker.

Ihr Musikverein Zell-Weierbach

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