Wenn der Staub der Vergangenheit erzählen dürfte

Unser Proberaum ist schon über 50 Jahre alt und nicht überall wurde in gewissen Abständen gereinigt. Das trifft auf jeden Fall auf die Decke im Proberaum zu. Da sind die Metalllamellen quer zum Raum angebracht, durchwirkt mit abgedeckten Leuchtstoffröhren, damit wir an all unseren Sitzplätzen ausreichend Licht haben.

Ohne eine Stehleiter kommt man nicht an die 3-Meter hohe Decke ran. Es kommen wieder unsere bewährten Schmutz- und Fettlöser in das Putzwasser rein. Mit dem nassen Lappen geht’s die Leiter hoch und dann beginnt die Arbeit: Jede Lamelle zuerst anfeuchten und dann intensiv mit Druck hin und her reiben, um den Staub und Schmutz entfernt zu bekommen. Das ist das A & O an der Arbeit und geht ganz schön in die Gelenke. Manch ein Fleck, der vielleicht vom Öffnen einer versehentlich oder insgeheim geschüttelten Flasche herrührt, will nicht weichen. Also noch einmal ran und dabei aber aufgepasst, dass sich die Lamellen vor lauter Druck nicht noch verbiegen! Mit energischer Geduld konnten so fast alle Flecken auf den Lamellen nebst dem Staub und Schmutz weggeputzt werden.

Ja, könnte der losgelöste Staub und Schmutz aus seinen Erlebnissen und Erkenntnissen erzählen, es gäbe genussvoll zu lesende Bände über Witziges, Geselliges, Kameradschaftliches, Ernstes und sicherlich auch manchmal über Toternstes. Dieser mit vielen Wassern abgewaschene Staub und Schmutz hat Musikkapellenstärken von 50 Mann in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aber auch nur noch die Hälfte in den letzten Jahren erlebt. Vielleicht hat manch ein Staubkorn auch das langsame Öffnen der Musikkapelle für Frauen in der zweiten Hälfte der 1970-er Jahre begleitetet, angefangen mit Sabine und Petra Kopf und auch Rosi Bieser. Wie viele Mädchen und Jugendliche mischten danach die ursprünglich reine Männerdomäne auf – leider aber meist mehr kurz als längerfristig. Und wie viele Dirigenten haben in diesem Proberaum Staub aufgewirbelt – vielleicht bereits schon Arthur Weigel in seiner Endzeit, der 39 Jahre lang, die Kriegsunterbrechung mitgezählt, die Musikkapelle leitete – indem sie in ihrer Zeit uns Musikern ihren Stempel aufgedrückt und meist Gott sei Dank hinterlassen haben. Dies waren und sind Dirigenten, die mitrissen, forderten, anleiteten, perfektionistisch ohne Ende an einem Stück feilten, den Mannschaftsgeist und die Kameradschaft förderten, Vorbild waren, sich einbrachten und nicht nur dirigierend, uns verschiedene Musikstile von Klassisch bis zum Big-Band-Stil beibrachten, uns zum Singen nach Noten in Konzertstücken anlernten, auf für unsere Musikkapelle genau zugeschnittene Arrangements von Stücken schrieben und uns musikalisch weiterbrachten, um nur ein paar wenige Aspekte aufzuzählen.

Diesem entfernten Schmutz und Staub haften aber auch zahllose Erinnerungen an so viele Musiker an, manche davon waren richtige, erinnerungsvolle Originale. Man erinnere sich nur z. B. an den Schaube Fritz an der großen Trommel, den Fischer Rudi aus dem Egerland am Tenorhorn und an den Pauken, den Sälinger Albert aus Fessenbach mit seinem Gogomobil am Bariton, an Werner Probst, Tanzvollblutmusiker mit seinem tollen Können an der Klarinette, den Saxophonen und dem kombinierten Schlagzeug. Aber auch über unsere bewährten führenden Musiker und Vereinsvorsitzenden Josef Acker (Flügelhorn) und Alois Geiler (noch alles Gute zum Geburtstag am vergangenen Montag) – (Klarinette und Saxofon), über unseren stets gut aufgelegten Gustl Litterst am Schlagzeug und nicht zu vergessen, über unseren ältesten aktiven Musiker, Gustav Kornmeier, der vor einem Jahr verstorben ist, wäre viel in den Bänden zu lesen gewesen.

Solche Musiker und natürlich viele weitere machen die Seele unserer Musikkapelle aus. Das können die zahllos weggewischten Staubkörner, aber z. B. auch unser Dirigent Johannes Kurz und unsere zu uns gehörenden Musikkameraden aus Kippenheim wie auch Sabine Meehan („So fröhliche, lockere und trotzdem effektive Musikproben vor einem Konzert habe ich anderswo nicht erlebt.“), bestätigen.

Aber nicht nur Proben bleiben in gutem Gedächtnis, nein auch viele „Nachproben“ und Feste im „Probelokal“ des Musikvereins Zell-Weierbach werden nicht ausgelöscht, solange es Musikerinnen und Musiker zum Musizieren in das Probelokal zieht.

Mit dem Befreien der Decke und der drei dreiflügeligen großen Fenster samt Rahmen von Schmutz und Farbe an einigen Nachmittagen im Januar fühlt sich der Proberaum heller an und die Decke wie auch das Fensterholz strahlen das Licht merklich besser wider.

Ihr Musikverein Zell-Weierbach

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