Das Fagott, eigentlich ein zimmerhohes Instrument

Im Übergang vom Mittelalter zur Renaissance (ca. 1500) entwickelte sich die Mehrstimmigkeit im Gesang und in der Musik sehr stark weiter. Wo früher eine einzige Art eines Instruments gebaut und nach und auch immer mehr verbessert worden ist, wollten die Instrumentenbauer und die Musiker nun komplette Sätze eines Instrumentes vom Sopran bis zum Bass entwickeln bzw. spielen. Denken Sie nur an die unterschiedlichen großen Blockflöten der Blockflötenfamilie. Die Instrumente in der einzelnen Instrumentenfamilie waren ähnlich gebaut und hatten oft auch gleiche oder ähnliche Griffe für die Töne. Ein anderer wichtiger Grund in jenen Zeiten war auch, jeder Musiker spielte viele Instrumente, anfangs z. B. alle oder die meisten Holzblasinstrumente. Da konnten sich die Musiker vielseitig einbringen und für Unterhaltung in allen Lebenslagen sorgen, denn große und versierte Orchester gab es nur an wenigen Höfen.

So war der Bass-Pommer ein Vorläufer des Fagotts – ein Ungetüm, maß er doch ca. 2.40 m an Länge (etwa unsere heutige Zimmerhöhe) und war aus einem Stück Holz gedrechselt und gebohrt und das mit damaligem Werkzeug. Daher stimmte es auch oft nicht gut. Man brauchte viel Platz, um es zu spielen und konnte es schlecht transportieren.

Daher kam man auf die Idee, das Instrument in der Mitte zu knicken. So entstand der Dulzian, der seinen Namen von seinem etwas leiseren Klang gegenüber dem Bass-Pommer erhielt. Er wurde ebenfalls aus einem Holzstück gefertigt.

Man spielte dieses Instrument in kleineren Ensembles und zum ersten Mal auch solistisch. Schon die ersten Kompositionen für den Dulzian sind sehr virtuos.

Mitte des 17. Jahrhunderts begannen findige Holzblasinstrumentebauer das Instrument aus mehreren getrennten Teilen herzustellen. Um 1670 schließlich wurde dann das Fagott in der Nähe von Paris erfunden. Das Instrument ist jetzt nicht mehr in der Mitte geknickt sondern besteht aus 4 Teilen und 3 oder 4 Klappen. Im Laufe der Zeit kamen dann immer mehr Klappen hinzu.

Durch diese Bauweise konnte sich das Fagott gegen andere tiefe Rohrblattinstrumente durchsetzen. Die Qualität der Instrumente stieg, da die Einzelteile genauer gedrechselt und gebohrt werden konnten als ein ganzer Holzblock. Und die fahrenden Musikanten liebten es, weil es handlicher zu transportieren war. Damals gab es eine ganze Fagottfamilie, was heutzutage nicht mehr so zutrifft.

Das Fagott ist – zusammengebaut – etwa 1,35 m hoch. Die gesamte Rohrlänge des Fagotts beträgt aber inklusive S-Bogen ca. 2,55 m. Das Fagott besteht aus zwei Röhren, der Bassröhre, auch Bassstange genannt, und dem etwas kürzeren Flügel. Auf die Bassröhre wird noch das Schallstück, der Trichter, aufgesetzt. Auf den Stiefel, dem vierten Teil des Fagotts, werden die beiden Rohre auf- oder eingesetzt. Im Stiefel selbst verlaufen zwei parallele Bohrungen, die am unteren Teil durch ein U-förmiges Messingrohr miteinander verbunden sind. Die Holzteile werden in der Regel aus Ahorn hergestellt.

An der Bassröhre und dem Flügel befinden sich Tonlöcher und Klappen, mit denen die Länge der schwingenden Luftsäule und damit die Tonhöhe verändert werden kann.

In den Flügel wird der S-Bogen, so benannt, weil er einem „S“ gleicht, gesteckt. Er ist aus Metall und besteht aus Legierungen bis hin zu Gold oder Platin. Darauf wird das Doppelrohrblatt, dem eigentlichen Tonerzeuger des Fagotts, aufgesteckt.

Das nächste Mal werden wir Ihnen interessante Details über das Fagott weitergeben. Bis dahin

Ihr Musikverein Zell-Weierbach        

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