„So hatte ich mir meinen Geburtstag nicht vorgestellt“

sagte Josef Acker am Tag nach seinem 80. Geburtstag letzten Montag etwas enttäuscht und dennoch glücklich und zufrieden, „und trotzdem habe ich den Tag genossen mit all den vielen Gratulationen per Telefon und E-Mail. Sein Plan sah natürlich ganz anders aus, wie er bereits ein Jahr zuvor teilweise verriet: „Wenn ich noch lebe, möchte ich mit meiner ganzen Familie, mit Freunden und Weggefährten und mit der ganzen Musikkapelle meinen Jubiläumsgeburtstag feiern!“ Sie wissen ja, bald darauf änderte sich die Weltensicht und krempelte den Lauf der Dinge in bisher nicht vorstellbarem Maße um und wirkte das öffentliche Leben ab – neumodisch genannt „Lockdown“.

Wir können so richtig die versteckte Träne in Josefs Augenwinkel sehen, wie er sich vorstellte, dass die Musikkapelle Zell-Weierbach an diesem verschneiten Sonntagmorgen vor dem Haus in der Schulstraße stünde und mit freudiger Stimmung ein unterhaltsames Geburtstagsständen schmettert, Herbert Lenz, der Vorsitzende, aus dem Musikerleben des Jubilars viele interessante Meilensteine preisgibt und danach er mit seiner Elfriede die Musikerinnen, Musiker und Dirigent Johannes Kurz zu einem fröhlichen Umtrunk in den Winzerkeller einlädt! – Und wie gerne hätten wir für unseren Josef das eine oder andere Stück gespielt und „Hoch Badnerland“ traditionsgemäß als Zugabe draufgelegt – gab er uns doch in all seinen Vereinsjahren so viel mit.

Josef, am Freitag, den 17. Januar 1941 mitten in den Kriegsjahren geboren, erlebte dieses Jahr das 12. Mal in seinem Leben, an einem Sonntag Geburtstag zu haben und dies noch just an einem runden Geburtstag, den Josef Acker immer gerne zum Feiern wahrnahm. Und daran hat er auch uns immer wieder gerne teilhaben lassen.

Josef ist mit 14 Jahren im Jahre 1955 in die Musikkapelle des Musikvereins „Harmonie“ Zell-Weierbach unter der damaligen Leitung von Arthur Weigel aufgenommen worden. Sein Vater, Franz Acker, war Gründungsmitglied des Musikvereins und wurde 1934 als Vorstandsmitglied in den Vergnügungsausschuss gewählt.

Die Trompete war Josefs erstes Instrument und die 2. Trompete sein erster Platz in der Musikkapelle. Später wechselte er an das 1. Flügelhorn, damit diese führende Melodiestimme, die vakant geworden ist, wieder erklingen konnte.

Was Josef Acker in seiner Zeit als aktiver Musiker, zusammen mit seinen Musikkameraden, erlebte, gäbe ein unterhaltsames Buch. Er ist es auch, der durch sein Interesse an unserer Vereinsgeschichte, schon sehr viel aus den Vereinsunterlagen herausgelesen und zusammengestellt hat von der Vereinsgründung im Jahre 1925 an bis ins Jahr 2010 und darüber hinaus. Auch die Vereinsgeschichte zum 75. Vereinsjubiläum stammt aus seiner Feder.

Josef Acker war 1958 auch dabei, als auf Beschluss der Generalversammlung die Musikkapelle die im Prinzip heute noch getragene Schwarzwälder Tracht bekommen hatte und wie er schmunzelnd meinte, somit die Geburtsstunde der „Trachtenkapelle Zell-Weierbach“ in das Jahr 1958 fiele. Und gleich am folgenden Ostermontag, beim Osterkonzert auf dem Dorfplatz, haben die Musiker sie mit viel Stolz und Hut präsentiert. Sie hielt bis zum Jahre 1977, wo für 18.000 DM eine neue Tracht in gleicher Ausführung angeschafft worden ist, die wir heute noch tragen.

In seiner Zeit als 2. Vorsitzender und Musikervorstand hat Josef Acker, Dank der von Max Härtenstein gefundenen Sponsoren, auch die dekorativen Pultbehänge und die Fanfarenwimpel beschafft. Er verstand es auch, tolle Feste mit kaltem und warmem Büffet oder einem ganzen gegrillten Schwein, ein anderes Mal mit Spanferkel und anderen auserlesen Dingen in einer Zeit zu organisieren, wo noch viele von solchen Gourmetdinnern nur träumen konnten. Gerne erinnern sich die damalig Aktiven auch an viele schöne, familiäre von Josef gut organisierte Vereinsausflüge. Und „nebenbei“ hatten er und wir, gegenüber heute, enorm viele Auftritte, mit viel Spaß, Humor und mit der Freude, volle Zelte und Hallen unterhalten und begeistern zu dürfen, „zelebriert“.

Im Herbst nach der Fußballweltmeisterschaft 1974 in Deutschland organisierte Josef Acker für die Fahrt zu einem Auftritt im Schwäbischen den Originalweltmeisterschaftsbus der Nationalmannschaft von Uruguay mit riesengroßer Schrift „Uruguay“ auf beiden Seiten des Busses.

Von 1998 bis 2004 lenkte Josef Acker als 1. Vorsitzender das Musikvereinsschiff. In dieser Zeit musste er erkennen, dass die hohe Zeit der Weinfeste des Musikvereins in der Abtsberghalle verblasste. Auf seine Initiative hin kam es im September 2000 zum ersten Wein- und Musikfest rund ums Rathaus (heute Weinfest rund ums Rathaus), das wieder ein Aushängeschild für Zell-Weierbach wurde. Zwei Jahre später machte Josef Acker seine Idee wahr, den Dorfhock am Winzerbrunnen (heute: Musikerhock am Winzerbrunnen) als neues zusätzliches dörfliches Fest seitens des Musikvereins einzubringen. Dieses legere Fest an unserem Probelokal kam im Ort sehr gut an und wurde bekannt als Gelegenheit zum „treffe un schwätze“.

Besondere Erlebnisse für den Musiker Josef Acker waren bestimmt auch die Auftritte an der Seite von Kurt Sauter bei den Schwarzwaldmusikanten des damaligen Südwestfunks Baden-Baden und sein Solo, der Amerikanische Zapfenstreich, am Grab von John F. Kennedy in Arlington während des ersten USA-Aufenthalts unter dem Motto „Zell meets Zell“.

Worauf wir alle noch heute sehr stolz sind, sind die legendären Osterkonzerte, wo Conférencier Kurt Falk und weitere mit Inbrunst und überzeugter Freude sagen durften: „Und nun, freuen Sie sich auf Josef Acker mit seinem Flügelhorn, und auf „My Way“! – Viel Spaß -und wenn’s Ihnen gefallen hat, dürfen Sie ihm danach auch eine Rose überreichen!“ „Ja, My Way“, bekennt Josef Acker gerne, „das war mein absolutes Lieblingsstück von den vielen von Rudi Flierl auf mich zugeschnitten arrangierten Solostücken.“

2010 wurde Josef Acker satzungsgemäß aber mehr noch, höchstverdient, zum Ehrenmitglied ernannt. Auch als „Musikrentner“ ist Josef Acker aktiv und gründete 2011 den Musikerseniorentreff, den unsere älteren Musiker gerne besuchen.

Josef, Du hast unseren Musikverein Zell-Weierbach vielseitig geprägt. Wir bedanken uns von ganzem Herzen für Dein Wirken bis heute für den Musikverein Zell-Weierbach.

Wir wünschen Dir, lieber Josef, nochmals alles Gute zu Deinem 80. Geburtstag an dieser Stelle verbunden mit den besten Wünschen auf Gesundheit, noch ein langes schönes Leben an der Seite von Elfriede und stets auch ein Quäntchen Glück an Eurer Seite. Das Geburtstagsständchen lässt sich ja noch nachholen, wenn die Zeit es wieder zulassen wird.

Es grüßt der Musikverein Zell-Weierbach

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