„Hoch Heidecksburg“ – der Konzertmarsch war schon ersatzweise Nationalhymne nach 1945

Bei unseren diesjährigen Frühjahrskonzert in der Abtsberghalle am Samstag, 18. April, wird der Konzertmarsch „Hoch Heidecksburg“ zum ersten Mal bei einem Jahreskonzert der Musikkapelle Zell-Weierbach auf dem Programm stehen – unter Kurt Sauter hatten wir ihn gerne manchmal bei unseren Frühschoppenkonzerten gespielt. „Dieser Schinder! Aber schön ist er und ich spiele ihn trotzdem gerne“, meinte ein altgedienter Musiker, als Dirigent Johannes Kurz unser diesjähriges Frühjahrskonzertprogramm in der Probe vorstellte.

„Hoch Heidecksburg“ gehört heute zu den populärsten und am häufigsten gespielten Märschen in Deutschland. Aufgrund seines eher sinfonischen Charakters, insbesondere das sogenannte Baritonmotiv im Trio, gespielt vom Bariton und den Tenorhörnern und später im tutti (von allen) wiederholt, kennzeichnet „Hoch Heidecksburg“ eindeutig als Konzertmarsch und nicht als Militärmarsch. Richtig wuchtig klingt der Marsch im ersten Teil um danach im ‚Baritonmotiv‘ des Trios in einen volksfestlichen Klang – gleich einem Ohrwurm, überzugehen. Damals, in der Kaiserzeit um etwa 1900, war es nicht unüblich in Militär- oder Konzertmärschen auf bekannte Signale zurückzugreifen. So erwächst in „Hoch Heidecksburg“ aus dem Halali, dem Zapfenstreich der Jäger, ein großer melodienreicher Konzertmarsch, der zu einem der wenigen Märsche von wirklicher Weltgeltung wurde.

Wer war der Komponist dieses ins Ohr gehenden Konzertmarsches, der im französischen Sprachraum „Au bord du Rhin“ (Am Ufer des Rheins) und im englischsprachigen Raum „The Watchtower“ genannt wird? Es ist Rudolf Herzer, am 11.11.1878 in Rottleben im Kyffhäusergebirge geboren und in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Später ist er mit seiner Familie ins thüringische Rudolfstadt an der Saale gezogen der Musik wegen. Aufgrund seiner Neigung und Begabung trat er vermutlich im Jahre 1902 in den Militärmusikdienst ein. 1908 soll er bereits zum Feldwebel befördert worden sein und das Musikkorps des III. Bataillons des 7. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 96 in Rudolstadt geleitet haben. Der Anblick des riesig beeindruckenden, imposanten Residenzschlosses zu Rudolfstadt, im fulminanten Barockstil wiedererbaut, inspirierte Rudolf Herzer gewiss zu solch einem grandiosen Marsch und zu seiner Überschrift „Hoch Heidecksburg“.

Einige Quellen besagen, der Uraufführung von „Hoch Heidecksburg“ während eines Manövers im Jahre 1912 wäre kein durchschlagender Erfolg beschieden gewesen (wie oft ist es bei Premieren schon so passiert?). Dies mag auch der Grund gewesen sein, weshalb Rudolf Herzer die vielversprechende Laufbahn eines Militärmusikers aufgab.

Bei Kriegsausbruch 1914 meldete er sich freiwillig und kam schon kurz danach mit seinem Regiment in Ostpreußen zum Einsatz. Schwer verwundet, erlag Rudolf Herzer am 20. Okt. 1914 seinen Verletzungen im Garnisonslazarett von Allenstein.

In Ermangelung einer eigenen deutschen Nationalhymne wurde „Hoch Heidecksburg“ in den Jahren nach 1945 bis 1949 bei Staatsempfängen gespielt.

Freuen Sie sich auf unser Frühjahrskonzert 2020 am Samstag, 18. April – mit „Hoch Heidecksburg“ und noch vielen weiteren schönen Melodien.

Ihr Musikverein Zell-Weierbach

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