Erste Probeerlebnisse, aufmunternd, ermutigend und mit viel Spaß

Vorletzten Mittwoch rechtzeitig vor 20 Uhr war es endlich wieder so weit: „Ich gehe in die Probe, bis später!“ So oder ähnlich hieß es bei den Musikerinnen und Musikern, die sich für die erste Probe bei Johannes Kurz, unserem Dirigenten, angemeldet haben und für die erste Ensembleproben am vorletzten Mittwoch eingeteilt worden sind.

Kein umarmen, kein Hände schütteln sondern ein freudiger, erwartungsvoller Blick aus den Augen und ein liebes „Hallo!“ war ein feinfühliger Ersatz als Begrüßungszeremonie. Nach einer kurzen Unterhaltung untereinander bei gebührendem Abstand, ging es daran, entweder die Hände gründlich zu waschen oder sie zu desinfizieren. Erst danach durfte der Proberaum betreten werden.

Johannes Kurz und Viezedirigentin Hannah Blattner hatten schon alles vorbereitet. Zu Beginn wurden die Ensembles im Proberaum bzw. im Foyer der Abtsberghalle jeweils in den Hygieneplan des Musikvereins Zell-Weierbach eingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, dass jeder, wenn er sich im Raum oder davor bewegt, auf den Abstand zum Nächsten achten muss und auch sich nur eine Person in den Toiletten aufhalten darf. Danach bekamen die Musiker einen Tisch zum Auspacken der Instrumente zugewiesen. Die Stühle standen in großem Abstand nebeneinander im Proberaum bzw. im Foyer der Abtsberghalle. Nachdem die Instrumente spielbereit gerichtet waren, wies der Dirigent jedem einen Stuhl zu.

Ehe Noten ausgeteilt wurden, hatten wir uns in der jeweiligen Gruppe eingespielt, d. h. eine Tonleiter bei lang auszuhaltenden Tönen auf und ab gespielt, um die Lippen und die Gesichtsmuskulatur auf das Musizieren einzustellen sowie Ohren und Sinn für die Musikalität zu öffnen. „Gar nicht so schlecht“, meinte der Dirigent, „nach so einer zweimonatigen Auszeit.“ Die Fingerläufigkeit testete er dann in den arrangierten Musikstücken. Im Holzregister waren wir beim ersten Mal zu dritt – zwei Klarinetten und ein Altsaxofon. Für die Probe in dieser Woche haben sich schon mehr im Holzregister angemeldet, so dass wohl zwei Gruppen gebildet werden.

Zurück zur ersten Holzensembleprobe. Für diesen eher ungewöhnlichen Satz – 2 Klarinetten und ein Altsax – hat Johannes Kurz drei Musikstücke bearbeitet. Zunächst ein Marsch von Jan Hudec (1808 – 1863) zum Einspielen und Einführen in dreistimmige Werke. Im Trio Teil klang eine englische Kinderliedermelodie heraus, die auch liedmäßig zu spielen war im Gegensatz zur Einführung und dem Schlussteil des Marsches. In Teilstücken eingeübt, zunächst langsam und dann immer stärker ins Marschtempo wechseln, war am Ende doch schon „sehr viel Gutes dran“, wie Thorsten Groß zu kommentieren pflegt. Dabei hatte das Saxofon eher die etwas undankbarere Aufgabe, in nicht gewohnter Tieflage den Melodiestimmen den Boden zu bereiten. Auf ähnliche Art hat dann Dirigent Johannes Kurz die beiden moderneren Stücke „Deep River“ und „Raindrops are fallin‘ on my head“ nachgelegt. Jetzt hatte auch da Saxofon in der Tieflage immer wieder „etwas wichtiges zu sagen“. Das bereitete der Saxofonistin sichtlich mehr Freude.

Natürlich wurde, wie im Hygieneplan vorgeschrieben, nach 50 Minuten eine Pause von 10 Minuten eingelegt, um den Raum mit frischer Luft zu fluten. Nach weiteren 45 Minuten ging fürs erste so langsam der Ansatz „flöten“. Die Probe wurde beendet. Dirigent Johannes Kurz desinfizierte die benutzten Stühle und Tische, nachdem die Instrumente eingepackt waren. Auch der Boden wurde vorlagegerecht im Bereich, in dem die Musiker gespielt hatten, feucht gereinigt. Gott sei Dank musste keiner auf die Toilette, sonst wäre auch dort zu desinfizieren gewesen.

Rosi Friemelt, Posaune, war im zweiten Blechensemble dabei, das ab 21 Uhr im Foyer der Abtsberghalle probte. Sie berichtet: „Zuerst musste alles desinfiziert werden, von den Stühlen über die Hände. Die nun geltenden Proberegeln wurden besprochen und die Stühle mit ausreichendem Abstand positioniert – was zu eher mäßigen Lichtverhältnissen führte. Da wir zunächst Stücke für ein Kammermusikensemble spielten, wurden wir mit für uns gewöhnungsbedürftigen Tonarten konfrontiert. Kreuztonarten sind für Posaunisten halt einfach ein Kreuz! Als im Anschluss der „Motor-Galopp“ von František Kmoch (1848 – 1912) geprobt wurde und wieder mindestens drei „b“ vorgezeichnet waren, fühlten wir uns wieder im Element. Alles in allem hat die Probe jedoch großen Spaß gemacht.“

Ja, sowohl den beiden Dirigenten wie auch den Musikerinnen und Musikern war es in den Augen abzulesen, wie sehr das Musizieren und das Miteinander beieinander zu sein, gefehlt haben. Der Anfang ist endlich wieder gemacht – jetzt heißt es, alle mit Spaß und Freude frisch ans Werk, damit auch Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, im erlaubten Umfang wieder von uns hören können.

Übrigens, Hannah Blattner und Cosima Mai wollen sich noch ganz herzlich bedanken über die große Resonanz, den ihr Bericht über deren Aufenthalt in Ghana, Westafrika, im Rahmen „Musiker ohne Grenzen“ im Dorf gefunden hat. Sie sind immer wieder darauf angesprochen und ihr Mut bewundert worden.

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