Eine Premiere für Julio Hernandez und für die Musikkapelle Zell-Weierbach

Vergangenen Sonntag hatte die Musikkapelle Zell-Weierbach, wie seit über 50 Jahren, ihren Auftritt auf dem Ortenauer Weinfest um 17 Uhr auf der Haupttribüne auf dem Marktplatz. Kaiserwetter – anders kann man es nicht ausdrücken. Schon am Lindenplatz, bis zu dem sich seit diesem Jahr das Ortenauer Weinfest ausdehnte, war sehr viel los. Durch die Steinstraße, in der viele Verkaufsstände ihre Waren feilboten, gab es nur ein langsames Vorwärtskommen. Auch auf dem Fischmarkt und auf der Hauptstraße, dem weiteren Weinfestplatz, genossen lauter fröhliche Menschen den Wein und den Sonnenschein. Endlich am Marktplatz angekommen, ein fast ganz anderes Bild: Platz genug, um an die Hauptbühne zu kommen; kein Gedränge vor der Bühne und Platz unter dem Tribünenzelt fand sich auch recht schnell – kein Vergleich zu anderen Jahren.

Die Bühne war rechtzeitig für uns frei und wir stiegen hinauf, um die Sitzordnung zu gestalten und aufzubauen. Ein kurzer Blick nach unten werfend, stand auf einmal Julio Hernandez mit seiner Frau Diana und seinem Euphonium (mit dem Tenorhorn verwandt) vor der Treppe mit Stolz, einem fröhlichen Lachen im Gesicht und voll von Erwartungen und Vorfreude auf seinen ersten Auftritt mit seinen Zell-Weierbacher Musikkameraden. Alle blickten erstaunt – Julio hatten wir zuvor noch nie in unserer Zeller Musiktracht gesehen und wie die ihm stand! Wir waren baff und freuten uns riesig, dass Julio nach nur 9 Monaten in Ausbildung am Euphonium durch seinen Tenorhornsatzführer Wilfried Ehrhard sich mutig und entschlossen zeigte und es nunmehr wissen wollte: Lampenfieber habe er schon gehabt, meinte Julio nach dem Auftritt, aber er ist sehr dankbar dafür, dass er mitspielen durfte und es auch konnte. Das habe ihm gut getan und sehr viel gebracht. Julio hat sich die ganze Woche lang speziell auf diesen Auftritt vorbereitet und sehr intensiv – auch mit seinem Lehrmeister – geübt, verriet Diana, seine Frau. Herzlichen Glückwunsch von Dirigent Johannes Kurz und allen Musikerinnen und Musikern der Musikkapelle Zell-Weierbach zu seinem ersten Auftritt und alle Achtung vor der großartigen Leistung nach dieser kurzen Ausbildungszeit!

Sicherlich haben Sie längst gemerkt und anhand des Fotos festgestellt, dass sich hinter dem Namen Julio Hernandez nicht unbedingt ein altes Zeller Geschlecht verbirgt. Julio wurde vor 38 Jahren (diesen Samstag feiert er Geburtstag) in Mexiko geboren und ist Ältester von mehreren Geschwistern. Nach seinem Informatikstudium suchte er Arbeit und kam nach Deutschland. Schließlich ließ er sich in der Hauptstadt des Ortenaukreises nieder, wie er schmunzelnd erzählte. Bereits in Mexiko durfte er als einziger der Kinder ein Instrument, die Rhythmusgitarre, erlernen und in einer Band mitspielen, ergänzte Adrian, sein jüngster Bruder, neidvoll. Adrian wohnt zurzeit bei Julio und will ein Studium in Deutschland aufnehmen.

Im Januar 2017 kam Julio mit Adrian Sharman aus England, der E-Gitarre spielt und auch bald seinen ersten Auftritt mit uns haben wird, zu uns in die Musikprobe. Unsere Kameradschaft und die herzliche Aufnahme machten ihm den Entschluss leicht, sich zu uns zu gesellen und mit uns zu üben. Welch eine Umstellung für ihn: die (deutsche) Blasmusik an und für sich, Noten lernen zu müssen und, dass es kaum Noten für seine Rhythmusgitarre in unseren Notenarrangements gibt. Ende letzten Jahres reifte in Julio der Entschluss umzusatteln und das Instrument von Gustav Kornmeier und Wilfried Ehrhard, die ihm sehr zugeneigt sind, nämlich Tenorhorn oder Euphonium, erlernen zu wollen. Ein Euphonium, gespendet von den Großeltern von Sünje und Merle Weidt, die einige Jahre bis zum Studienbeginn mit uns musizierten, stand bereits generalüberholt bereit. Mit viel Eifer und Willen setzte sich Julio mit dem Instrument und den Noten auseinander. Nach nur so kurzer Zeit ist er nun mitten drin in unserer Musikkapelle Zell-Weierbach. Eine tolle Leistung! Wir sind stolz auf unseren ersten Musikanten aus Übersee in unseren Reihen.

Musik machen macht halt Spaß, verbindet und integriert in die Gemeinschaft.